Züritipp: Das Ausflugslokal ist aufgewacht

Die Zeit des langen Wartens ist vorbei im wunderschön gelegenen Turbinenhaus. Der Chef des Tre Fratelli hat das Ruder übernommen, in der Küche steht ein talentierter junger Mann.

Das Turbinenhaus mit seinem reizvollen Garten und dem Kinderspielplatz neben der Limmat war beliebt für seine authentische italienische Küche. Dass der Besuch des Restaurants aber oft zur Geduldsprobe geriet, verdarb vielen Gästen die Laune – und die Lust, wiederzukommen. Entsprechend schlecht wurde das Turbinenhaus auf den einschlägigen Onlineportalen bewertet. Tempi passati. Mit Reshat Shalaku, der bereits dem Tre Fratelli wieder auf die Beine half, hat das Lokal einen neuen Betreiber gefunden.

Shalaku hatte die Turbinenhaus-Geduldsprobe am eigenen Leib erfahren und den Betreibern kurzerhand seine Visitenkarte hinterlegt. Für den Fall, dass sie eines Tages aufhören wollten. Ein halbes Jahr später wollten sie – und nun liegt es an ihm und seinem Team, den ramponierten Ruf des städtischen Lokals aufzupolieren.

Unser erster Besuch zeigt: Der Chef und seine Mitarbeiter gehen ihren Job bravourös an. Sie haben das Lokal schlicht und geschmackvoll eingerichtet, das heimelige Interieur, die rot-weiss karierten Tischdecken und das warme Licht sorgen für Gemütlichkeit. Mit Alex Riter nimmt ein gestandener Gastronom die Gäste in Empfang; er lässt nichts anbrennen und kümmert sich sorgsam ums Wohl der Kundschaft.

Die eigentliche Entdeckung steht aber in der Küche, trägt den Namen Lukas Grossen, ist 27 Jahre alt und hat seine Sporen im Volkshaus abverdient. Im Turbinenhaus kann er nun sein volles Talent zum Tragen bringen. So zum Beispiel mit einem butterzarten Pulposalat mit Papaya und Koriander (22.80 Fr.), der uns wieder einmal daran erinnert, wie erfrischend die mediterrane Küche sein kann. 

Ebenfalls ein Genuss: die schaumige, fein gewürzte Pastinakensuppe (10.80 Fr.), die einen das garstige Wetter draussen vergessen lässt. Der Turbinenhaus-Burger (27.80 Fr.), der mit knusprigen Pommes Alumettes und Coleslaw gereicht wird, braucht hingegen noch ein paar Anpassungen. Das Fleisch schmeckt zwar sehr gut, das Patty ist aber zu kompakt. Pure Freude bereitet das Rindshoh­rückensteak (42.80 Fr.), das zwar nicht wie bestellt saignant, sondern à point serviert wird, aber perfekt mit dem auf den Punkt gegarten Cima di Rape und der würzigen Morchelsauce harmoniert. Die Weinkarte lässt auch keine Wünsche offen.

Noch gleicht die Menükarte aber zu sehr derjenigen des Tre Fratelli, das von Shalaku weitergeführt wird. Auch wenn der berühmte Fratelli-Hackbraten fehlt. Es dürfte allerdings nur eine Frage der Zeit sein, bis Küchenchef Grossen seiner Kreativität freien Lauf lassen darf und die Karte ein Facelifting bekommt.